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Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts erlebte die Saarregion eine so vorher nie da gewesene Phase der Hochindustrialisierung. Massenweise strömten Arbeiter in die Region um vor allem auf den Steinkohlegruben und Eisenhütten ihr Auskommen zu finden. Zu deren Transport zwischen Wohnort und Arbeitsstelle benötigte man neue leistungsfähige Verkehrsmittel. Nachdem schon 1892 in Saar-brücken die Straßenbahn eingeführt wurde, entstand auch in den Umlandgemeinden der Wunsch durch ein solches Verkehrsmittel  angebunden zu werden.

Treibende Kraft für den Bau einer Bahnverbindung von Heusweiler über Riegelsberg nach Saarbrücken war der damalige Direktor der Steinkohlengrube, Bergrat Reinhold-Friederich Jahns. Für die bis zu 3000 Bergleute seines im Wald gelegenen Bergwerkes Von der Heydt benötigte er dringend ein modernes Nahverkehrsmittel.  Von der Heydt und große Teile des Köllertaler Waldes gehörten damals noch zur Gemeinde Güchenbach. Nachdem die Saarbrücker Straßenbahn den Bau dieser Strecke abgelehnt hatte, beschloss die etwa 4500 Seelen zählende Bergarbeiter-gemeinde Güchenbach, die wichtigste Vorgängerkommune der Gemeinde Riegelsberg, 1905 auf eigene Rechnung diese Straßenbahnlinie zu bauen. Dazu hatte Bergrat Jahns, selbst Mitglied des Gemeinderates Güchenbach, der Gemeinde viele Unterstützungen seitens der Grube zugesichert.  

Die Bahn hatte in Saarbrücken Anschluss an das Saarbrücken Netz und benutze auf etwa 1 km die Gleise der Saarbrücker Bahn bis zum Endpunkt an der königlich preußischen Bergwerksdirektion. Das erste Teilstück der Bahn bis Riegelsberg Alter Markt wurde bereits am 21.Januar 1907 und die Gesamtstrecke bis Heusweiler am 1.Juli 1907 eingeweiht. Als Besonderheit gab es eigene Bergarbeiterzüge auf der Straßenbahn und Triebwagen mit Postabteil zur Postbeförderung. Nach der Inbetriebnahme gab es einen enormen Fahrgastzuspruch, so dass weitere Triebwagen beschafft werden mussten. Bis zu 1,5 Millionen Fahrgäste jährlich bescherten der Bahn auch einen bescheidenen Gewinn. Die ungünstige topographische Situation mit vielen Anstiegen, die mangelhafte Wartung im Laufe des Ersten Weltkrieges und die hohe Beanspruchung durch die Bergarbeiterzüge führen dazu, dass die Bahn um 1920 schon einen hohen Ersatzinvestitionsbedarf hatte. Nun fielen durch die Bedingungen des Versailler Vertrages aber weitestgehend die Unterstützungen seitens der Grube weg. Die Bahn schloss mit Verlusten ab und wurde mehr und mehr zum finanziellen Sorgenkind der Gemeinde. Drastisch verschlechterte sich die Situation als 1932 im Zuge der Weltwirtschaftskrise das Bergwerk Von der Heydt stillgelegt wurde. Die Gemeinde Güchenbach sah sich gezwungen die Riegelsberger Straßenbahn 1937 an die Saarbrücker Straßenbahnen im Saartal zu verkaufen. Diese reihten die Strecke nun als Linie 10 in ihr Netz ein.

Wieder wurde die Bahn in der Kriegszeit mit mangelnder Wartung gefahren. Ab 1944 war durch die Luftangriffe auf Saarbrücken die Strecke im Stadtbereich häufig unterbrochen, so dass die Bahn oft nur noch bis zur Stadtgrenze fahren konnte. Erst 1947 war wieder die volle Linie 10 befahrbar. Durch die Kriegsschäden herrschte großer Mangel an Straßenbahnfahrzeugen. Eine Beschaffung von Neufahrzeugen in
Deutschland scheiterte an der neuen Grenze des Saarlandes zur Bundesrepublik, und eine Beschaffung in Frankreich war mangels Herstellen nicht möglich. Zudem hätte es einer Grunderneuerung der Gleisanlage bedurft. Mittlerweile wurde die in Seitenlage fahrende Straßenbahn auch als Verkehrshindernis für den aufkommenden Autoverkehr angesehen. So blieb nur die Stillegung der Straßenbahn und die Umstellung auf Oberleitungsbusse am 14. November 1953.
 
Fast fünfzig Jahre bis zur Stillegung 1953 tat die „Riegelsberger“ ihren Dienst. Ihre Mitarbeiter und Fahrgäste erlebten turbulente Zeiten. Kaiserreich, zwei Weltkriege, Inflation, zwei  Perioden französischer Administration, Zerstörung und Neubeginn begleiteten die Betriebszeit der Straßenbahn. Niemand hätte Bei Stillegung gewagt,  daran zu denken, dass die Straßenbahn einst wieder kommen könnte. In mehren Etappen ab 2001 erreichte die „Saarbahn“ am 30. Oktober 2011 wieder die ehemalige Endhaltestelle der „Riegelsberger“  am Heusweiler Hirtenbrunnen.

Text: Karl Heinz Janson, Verein für Industriekultur und Geschichte Heusweiler-Dilsburg e.V.

Weitere Informationen zur Riegelsberg Straßenbahn sowie zu weiteren interessanten Themen der Industriekultur finden Sie auf der Webseite des Vereines.