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Nach diesem  schwungvollen und positiv stimmenden ersten Teil unseres diesjährigen Neujahrsempfangs darf ich sie herzlich im Rathaus begrüßen

Junge Stimmen der Hochschule für Musik Saar stimmen uns heute ins neue Jahr ein: Mit guten Vorsätzen und schwungvoll

Einstudiert und am Flügel:
Matthias Wierig, Professor für Liedgestaltung

Programm und szenische Gestaltung:
Anke Kramer, Dozentin für Sprecherzeihung

Die jungen Stimmen:
Anna Major (Sopran)
Leonie Volle (Mezzosopran)
Yan Liu (Tenor)
Antonio di Martineo (Bass)

Es freut mich sehr, dass so viele Bürgerinnen und Bürger meiner Einladung gefolgt sind, um gemeinsam das junge Jahr nochmals zu begrüßen und die Gelegenheit zur  Begegnung und zum Gedankenaustausch nutzen. Viele Ehrengäste sind hier, Gäste aus Politik und Verwaltung, aus Industrie und Handwerk, Handel und Dienstleistung sowie Vertreter der Kirchen, Vereine und der Medien.

Anke Kramer hat mit den drei Schlagworten von Frederike Kempner eine Vorlage geliefert, mich aber auch vor eine große Aufgabe gestellt: Drei Worte: Bourgeoisie, Proletariat, sozial und damit nun umzugehen

Die Schriftstellerin Frederike Kempner  lebte von 1836 bis 1904 Posen und Schlesien (lange Polen, seit Ende des 18. JH Preußen) Sie stammt aus einer hochkultivierten, reichen jüdischen Gutsbesitzerfamilie und gehörte mit Gutsbesitzern, Kaufleuten,  Bankiers, Juristen und Medizinern zum emanzipierten, liberalen Bürgertum.

Eine markante Persönlichkeit, die sich engagierte sich in der Armen- und Krankenfürsorge. 1869 begann sie ihre Aktion zur Reform des Gefängniswesens; Sie verband ihre schöngeistige schriftstellerische Tätigkeit mit sozialreformerischen Aktivitäten, mit großem sozialem Engagement

Auf ihrem Grabstein steht zu lesen: „Ihr Leben war geistiger Arbeit und Werken der Nächstenliebe geweiht.

So setzte sie sich mit Erfolg für die Errichtung von Leichenhäusern und die Verlängerung der Karenzzeit zwischen Tod und Bestattung ein, um das Problem des damals medizinisch manchmal nicht erkannten Scheintods zu umgehen

Sozial, eine soziale Gesellschaft, eine soziale Gemeinschaft: das war ihr Ideal, es erschien ihr aber eine Utopie.

Im alltäglichen Sprachgebrauch wird Utopie (insb. als Adjektiv utopisch) als schöne, positive aber unausführbar betrachtete Zukunftsvision benutzt, unrealistisch

Die Begriffe Bourgeosie und Proletariat weisen natürlich auf Karl Marx hin, der ja letztes Jahr sein 200. Geburtstag gefeiert hat. Er ist wenig älter als Frederike Kempner. Insofern ist Kempner auch ein Kind ihrer Zeit

Bourgeoisie ist im zunächst eine wertfreie Bezeichnung des wohlhabenden Bürgertums (Kempner war eine) oder im Marxismus die Bezeichnung der herrschenden sozialen Klasse der Gesellschaft, die der Klasse des Proletariats , dem städtischen Arbeitervolk gegenübersteht.

Abfällig, der Bourgeois, der über die Produktionsmittel (Synonym für Kapitalist) verfügt und damit die Arbeiter (Proletarier) ausbeutet.

Ich will nicht der Versuchung erlegen, auch wenn es spannend wäre, der Frage nachzugehen, was uns Marx heute noch zu sagen hat, wo seine historischen Verdienste liegen (auf Unrecht aufmerksam gemacht) ob in seinem Namen
viel Unrecht beseitigt worden – und neues, womöglich teilweise noch schlimmeres als Wegbereiter neuer Diktaturen geschaffen worden, ob seine Aussagen seine Lehre und Vorhersagen  jemals gestimmt haben oder heute noch stimmen, Ob sein Klassenmodell stimmt wissenschaftlich ist, ob er ökonomisch richtig lag.

Nein ich will mich mit der Frage auseinander setzen: Ist Riegelsberg sozial, welchen Stellenwert hat das Soziale bei uns

In der Umgangssprache bedeutet sozial, die Fähigkeit sich für andere zu interessieren und sich einzufühlen mit ein. Aber es bedeutet auch, anderen zu helfen und eigene Interessen zurückzustellen.

Unsozial in diesem Sinne handelt, wer das alles als unwichtig empfindet. Asozial (oft mit absprechendem Beiklang) ist, wer mit der gesellschaftlichen Umgebung (fast) unverbunden ist und nur an deren Rand lebt, wer sich also nicht in sie „einfügen“ will oder kann

Mir ist sehr bewusst:
Die soziale Frage ist auch in Deutschland aktuell, sie ist immer aktuell und auch nicht abschließend zu beantworten:

Die Kluft zwischen Arm und Reich nimmt zu. Armut wird vererbt
Bildung wird vererbt: Es besteht ein enger Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungschancen, der auch von den Pisa-Studien eindrucksvoll belegt wird. Bildungschancen werden nach wie vor "vererbt", von den Eltern an die Kinder weitergegeben

Die Gesundheit höher gebildeter Menschen ist besser, ihre Lebenserwartung höher.

60 Prozent der Deutschen finden, dass es ungerecht zugeht im Land Soziale Gerechtigkeit ist eben ein sehr großer, sehr schwammiger Begriff.

Mein Thema ist: Wann ist eine Gemeinde sozial; was können wir beeinflussen

Ich will dies an 6 fünf Fragen oder Indikatoren festmachen:

•    Finden die Bürger, die Familien eine gute Infrastruktur vor?
•    Gibt es ausreichend Betreuungsplätze in Kindertageseinrichtungen für Kinder
•    Gibt es ein gutes und qualitativ hochwertiges Bildungsangebot
•    Werden ältere Menschen wertgeschätzt und können sie am Ortsgeschehen teilhaben
•    Werden pflegebedürftige Menschen liebevoll und kompetent betreut
•    Gibt es eine Kultur des Miteinanders und Füreinanders

Infrastruktur
Wir haben eine gut funktionierende Infrastruktur, wir verfügen über hervorragende Sport- und Freizeitstätten (Schwimmbad, 2 Kunstrasenplätze, Spielplätze, Beachfeld, Multifunktionsspielfeld )

wir haben gute  Einkaufs- und Dienstleistungsangebote

Vereine haben optimale Trainingsvoraussetzungen, durch nahezu kostenlose Überlassung der Hallen und Räumlichkeiten für Trainingszwecke

Vielfältiges Kulturangebote in der Gemeinde und in Vereinen und Gaststätten,

Ortsmitte in RGB und WA;  Marktplatz übernimmt seine Funktion als Aufenthalts- und Begegnungsort

Anstehen: Weiterentwicklung am Stumpen / Aufwertung und Sicherung und Walpershofen, da sind wir auf einem guten Weg

Möglichkeiten für neuen Wohnraum erschließen. Denn viele Familien wollen in Riegelsberg ein zuhause finden.

Betreuungsplätze
Als vor gut einem Jahr war klar, dass in Riegelsberg sowohl Kindergartenplätze (über 3 Jahre) als auch Krippenplätze (bis 3 Jahre) fehlen haben  wir schnell gehandelt. Dankenswerterweise hat die AWO im  Begegnungsraum Platz für 25 zusätzliche Kindergartenplätze geschaffen.

Und auch im Krippenbereich gab es Erfolg. Wir haben einen Bungalow in in unmittelbarer Nähe zum Kinder- und Familienzentrum Ronnertswies anmieten zu einer wunderschönen Krippengruppe umwandeln.

Und ab Januar 2019 hat die AWO in der Kita Buchschachen eine neue Kindergartengruppe für 20 weitere Kinder aufmachen. Damit ist es gelungen, innerhalb kurzer Zeit mit vertretbarem Aufwand 55 zusätzliche Plätze den Kindern bzw. Eltern anzubieten

Ab Januar wird es demnach in Riegelsberg 435 Kindergartenplätze geben. Der Bedarf liegt bei ca. 430 Plätzen. Das sieht also für die über 3jährigen Kinder gut aus. Wir sind damit Spitze.

Bedarf gibt es aber noch im Krippenbereich. Hier sind wir zwar mit hundert Plätzen im Vergleich mit anderen Kommunen gut aufgestellt. Aber es fehlen noch schätzungsweise zehn Plätze, also eine Gruppe. Hier werden wir weiterhin Augen und Ohren aufhalten um Räume oder Wohnungen zu finden wo unsere Kleinsten betreut werden könnten. Denn mein Anspruch ist es, allen Eltern, die einen Platz für ihr Kind benötigen, auch einen solchen geben zu können.

Mittelfristig werden ein Kindergartenneubau im Gisorsviertel und ein vergrößerter Kindergarten der Evangelischen Kirchengemeinde Güchenbach an der Kirche zur Verfügung stehen.

Schulen / Bildungsangebot
eine gute Bildungslandschaft mit unseren 3 Grundschulen und der Leonardo da Vinci Gemeinschaftsschule aufweisen zu können. Wir investieren da in die Qualität, Smartboards.

Der Erweiterungsbau mit einer großen Mensa für fast 3 Mio. wird den Schulstandort erheblich aufwerten, sowohl die Grundschule, als auch die Gemeinschaftsschule und insbesondere die Nachmittagsbetreuung

Anbauten für Nachmittagsbetreuung in der Ellerschule und der Pflugscheidschule. Immer mehr Kinder brauchen einen Platz für die Nachmittagsbetreuung an unseren Schulen. Die Räumlichkeiten platzen aus den Nähten

Senioren
Immer mehr Menschen werden immer älter. Diese Entwicklung geht auch an Riegelsberg nicht vorbei.
Kommunale Aufgabe: wir fühlen und den älteren Menschen verpflichtet
Wertschätzung und Teilhabe
Deswegen  einem Jahr dran ein Konzept eines offenen Seniorentreffs zu realisieren (SPK, PÜ, RVS..)
Anlaufstelle um gemeinsame Aktivitäten zu erleben
Beratung im Fragestellungen, die Senioren betreffen (Pflege, Patientenverfügung, Vortsorgevollmacht..)
Infrastruktur schaffen
Idealer Ort der SPK

Pflege
Zwei Seniorenheime, ein drittes  kommt dazu;
Träger und Bedienstete geben sich sehr viel Mühe

Miteinander und Füreinander
In Riegelsberg engagieren sich sehr viele Menschen, Junge wie Ältere, Männer wie Frauen, ehrenamtlich im Bereich Soziales, Sport, Kultur, Umwelt, Kirchen uvm. Ohne diese Menschen würde nichts funktionieren. Dies macht Riegelsberg lebendig und liebenswert. An dieser Stelle allen ehrenamtlich Tätigen ein herzliches Dankeschön.

Sie zeigen damit: Es ist unsere Heimat, wir identifizieren uns mit Riegelsberg.
Ehrenamtliches Engagement ist Ausdruck von Verantwortungsbewusstsein.

Ohne dieses Engagement wäre unser Ort nicht lebensfähig und schon gar nicht liebenswert.

Diese Menschen sind die Stützen der Gesellschaft. Riegelsberg wäre in der Tat wesentlich ärmer und kälter.

Sie machen das freiwillig, sie fragen nicht, was sie das kostet oder welchen Vorteil ihnen das bringt. Sie fühlen sich verantwortlich für ihr Umfeld, sie handeln aus Mitmenschlichkeit und Solidarität heraus. Sie packen an.

Ihr uneigennütziges Engagement verdient deshalb unsere allerhöchste Anerkennung. Man kann also sagen: In RGB packen viel mit an

Hierzu zähle ich auch die Kommunalpolitik

Und die finanziellen Rahmenbedingungen werden besser

Haushalt / Finanzen
Das Ende (Licht) des Tunnels ist in Sicht, wir werden noch ein schwieriges Jahr haben, ab 2020 besser und ausgeglichen / Überschüsse

Deshalb können wir optimistisch in die Zukunkt in 2019 blicken:
Die Weichen sind gestellt, Wir sind auf Kurs, auf Kurs in eine gute Zukunft für unser Riegelsberg.

Ich lade Sie alle ein, mit an Bord des Dampfers Riegelsberg zu bleiben und mitzuwirken bei der Steuerung in eine gute Zukunft.

In diesem Sinne
Glück Auf Riegelsberg und herzlichen Dank